Der ländliche Raum - Das "Tal der Ahnungslosen"?

Am 18. Oktober konnte man im Stormarner Tageblatt aus dem OECD-Bildungsbericht 2008 erfahren, dass unser kleines Land Schleswig-Holstein bei der Zahl der Jungakademiker - nur 14 von 100 jungen Menschen haben hier ein Studium abgeschlossen – weit abgeschlagen hinter dem Rest Deutschlands und der Welt hinterherhinkt: Der Mittelwert der deutschen Länder liegt 50% höher, der OECD-Schnitt sogar 165% höher – selbst die Türkei hat die Nase noch vor Schleswig-Holstein.

In unserem Land, das außer hinreichend Wind und Sonne keine nennenswerten natürlichen Ressourcen zur Verfügung hat, ist es aber immens wichtig, in die Köpfe unserer Kinder zu investieren – Bildung braucht mehr Geld als Bahnen und Brücken, aber Bildung hat leider keine Lobby!

Schauen wir uns einmal den reichsten Kreis im armen Schleswig-Holstein an, unser Stormarn. Der Kreis ist durch das neue Landesschulgesetz gerade von seiner Trägerschaft für die Gymnasien „befreit“ worden, die in die Obhut der Standortgemeinden gelangt sind (Ausnahme Glinde, das 2009 folgt). Als seine Pflichtaufgaben im Schulbereich bleiben ihm die Sonderschule in Ahrensburg und die beiden Berufsschulen in Ahrensburg und Bad Oldesloe. Das ist auch sinnvoll, denn diese Einrichtungen werden von Kindern bzw. Jugendlichen aus allen Kommunen des gesamten Kreises besucht, können also nicht von der jeweiligen Gemeinde finanziert werden. Entsprechend wird auch die Schülerbeförderung im Kreis von diesem bezahlt und nicht vom Kämmerer des Start- oder Zielortes des jeweiligen Fahrschülers.

Es gibt aber noch weitere Bildungseinrichtungen im Kreis, die für das lebenslange Lernen Erwachsener und Jugendlicher außerhalb der Schule enorm wichtig sind und für die der Kreis seine Ausgleichsfunktion wahrnehmen muss:

Das sind erstens die Büchereien, deren Besucher ja nicht nur aus dem jeweiligen Standort kommen, und zweitens ist das der ländliche Raum ohne jegliche Bücherei, der von der „Bibliothek auf Rädern“ versorgt wird. Da die finanzielle Unterstützung der Büchereien nicht zu den Pflichtaufgaben des Kreises gehört, sondern als so genannte freiwillige Leistung definiert ist, hatte die CDU mit ihrer absoluten Mehrheit zum 1.1.2007 alle Zuschüsse für die 12 ortsfesten und die eine rollende Bücherei gestrichen. Deshalb mussten Ausleihgebühren erhoben bzw. erhöht und der Fahrdienst des Bücherbusses eingeschränkt werden. Damit war das Recht auf gleichwertige Medien- und Informationsversorgung im ländlichen Raum nicht mehr gegeben, wie sich auch an dem Rückgang der Nutzerzahl erkennen lässt – bei der Fahrbücherei sank sie um 15%, bei den Standbüchereien im Erwachsenen-Bereich sogar um 55%.

Die Grünen haben in ihrem Wahlprogramm deutlich gemacht, dass sie den Kreis in der Pflicht sehen, die Büchereien wieder mit zu finanzieren. Im Schul-, Kultur- und Sportausschuss des Kreises wurde von uns der Antrag gestellt, die Standbüchereien zu einem Drittel (Rest: 1/3 Land, 1/3 Kommune) und die Fahrbücherei mit einem Festbetrag zu unterstützen, so dass etwa 2/3 vom Kreis und 1/3 vom Land bezahlt werden.

Am 5.11. entscheidet der Ausschuss um 18 Uhr in der Mommsenstraße 11, Raum D132 darüber, ob der ländliche Raum im „Bildungstal“ verbleibt . Übrigens – die Sitzung ist öffentlich und jeder Besucher ab 14 Jahre darf Fragen stellen.

Dr. Hartmut Jokisch
Fraktionsgeschäftsführer und Bildungspolitischer Sprecher der Kreistagsfraktion

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