Die Knicks brauchen mehr Schutz und Platz

Knicks sind ein agrarkulturelles Erbe (seit ca. 1770) und prägen immer noch die Landschaft in Schleswig-Holstein (1 % der Fläche, der NABU schätzt die Länge auf 45.000 km Länge, 30.000 km weniger als noch 1950) und auch Stormarn. Wilde Tiere (über 7000 Arten, alleine 40 Brutvogelarten) und Pflanzen (mehrere 100 Arten) leben in und in der Nähe der Knicks. Bäume, Sträucher, Kräuter, Moose und Gräser bilden ein einmaliges Biotop in unsere Region. Heckenbrüter wie der Neuntöter oder die Goldammer, viele Ameisen und andere Insekten, Marder, Igel, Füchse und andere Kleintiere leben in ihrem Schatten und finden Schutz. Von hier aus suchen sie dann Futter auf den angrenzenden Feldern.

Trotz aller Schutzbemühungen (seit 1973 geschützte Biotope) sind unsere Knicks weiterhin in Gefahr (der BUND schätzt, das 90% geschädigt sind). Immer noch werden Knicks entfernt, verstümmelt oder so verändert, dass sie ihre vielfältigen Funktionen nicht mehr erfüllen können. Nicht nur das Entfernen sondern auch die schlechte oder fehlende Pflege ist zum Nachteil für die Natur. Nur alle 10 bis 15 Jahre sollen Knicks „auf den Stock gesetzt werden“ (in der zeit vom 1. Oktober bis 14. März). Dabei soll immer ein Teil abgenommen und ein Teil stehen gelassen werden, damit unterschiedliche Altersstufen vorhanden sind.

Wegen der guten Preise für Holzhackschnitzel und Kaminholz wird heute eher zu häufig als zu wenig „geknickt“. Dabei werden dann lange Teile und auch die großen Bäume (Überhälter) abgenommen. Um den Auflagen gerecht zu werden, werden nur alle 30 bis 80 Meter junge und sehr dünne Bäume (7 cm Durchmesser in Brusthöhe) stehen gelassen. Das sieht nicht nur landschaftlich nicht wie ein Knick aus sondern ist auch für alle Baumbewohner kein Lebensraum mehr. Wenn nicht geknickt wird, werden die Sträucher an den Seiten häufig mit Schredder so gekürzt, dass die Äste nicht auf das Feld hinausreichen. So entstehen hohe und dünne Spaliere, die mit Knicks nichts mehr zu tun haben.

Das größte Problem für die Knicks und ihre Bewohner ist das zu nahe Heranpflügen. Der Pflug endet häufig erst direkt vor dem Knickwall. Vorgewende und ungenutzte Randstreifen, wie sie früher üblich waren, gibt es heute fast nicht mehr. Damit geht eine sehr wertvolle Übergangzone zwischen dem Knick und dem Feld verloren. Die Landesregierung hat nun beschlossen, 0,5 Meter vom Knickfuss entfernt mit dem Pflügen aufzuhören. Der Bauernverband ist empört, da damit auf 100 Meter Knick 50 Quadratmeter Fläche für die Produktion verloren gehen. Bei den großen Feldern geht es um weniger als 1 % der Fläche, aber es wird mit Welternährung und Wirtschaftlichkeit argumentiert, darauf zu verzichten. Dieses hört sich dramatisch und wichtig an, aber es sind keine korrekten Argumente, wie alle Fachleute wissen. Auch bleiben diese Randflächen subventionsfähig.

Ein halber Meter vor dem Knick nicht zu nutzen ist eigentlich viel zu wenig (besser wären 1 bis 10 Meter Randstreifen) aber besser als gar nichts, um Pflanzen und vor allem Tieren die Möglichkeit zu bieten, Licht und Platz ausserhalb der dichten Ackerkulturen zu finden. Auch wenn der Bauernverband die Randstreifen an Knicks ablehnt, sollte die Politik stark bleiben und dieses durchsetzen. Dann kann die Verwaltung alles tun, um die Knicks und ihre Randbereiche zu schützen. Die Grünen werden dafür eintreten.

Gerold Rahmann
Grüner Vorsitzender des Umweltausschusses des Kreises



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